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Warum muss es ein Extra-Coach für Frauen sein?

30.07.2015

Und wie sehen die Rahmenbedingungen nun im einzelnen aus?

Frauen in Deutschland sind mittlerweile nachgewiesener Weise besser ausgebildet als Männer. Auch ist es kein Geheimnis, dass sie bei den sozialen Kompetenzen weit vorn liegen. Und trotzdem sind sie in Führungspositionen von Politik und Wirtschaft deutlich unterrepräsentiert. Sie erhalten durchschnittlich weniger Gehalt, Teilzeitarbeit ist Frauenarbeit. Frauen sind häufiger von Armut bedroht als Männer. Die Aufteilung der Haus- und Familienarbeit verläuft stark asymmetrisch zu Lasten der Frauen. Und auch das Thema Gewalt gegen Frauen ist noch lange nicht vom Tisch. Männer genießen mehr Rechte und mehr Gestaltungsspielaum.Ihre Arbeit wird gesellschaftlich mehr anerkannt. Nun ist es recht unwahrscheinlich, dass Männer ihre Privilegien freiwillig hergeben.


Wer etwas ändern will, muss etwas verändern.

Doch was? Da lohnt sich zuerst ein Blick auf die Ursachen, die zu der beschriebenen Situation führen, mit der sich Frauen hierzulande tagtäglich auseinandersetzen müssen.


Rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen

In unserer kapitalistischen patriarchalisch ausgerichteten Gesellschaftsstruktur ist noch immer das männliche Ernährermodell institutionell verankert. Das Ehegattensplitting bevorteilt die Alleinverdiener-Ehe (inklusive der kinderlosen Ehen) und macht schlechter bezahlte Tätigkeiten von Frauen steuerlich unattraktiv. In der Sozialversicherung werden nichterwerbstätige Ehepartner mitversichert.Der langsame Ausbau von Ganztagsschulen und qualitativ guter und flexibler Kinderbetreuung macht es vielen Frauen (sie leisten in der Regel die Erziehungs- und Betreuungsarbeit) schwer oder unmöglich, gleichzeitig einer produktiven Erwerbsarbeit nachzugehen. Entscheidet sich die Frau für Kinder, ist sie finanziell entweder von ihrem Ehemann abhängig oder von den Sozialleistungen des Staates. Eines der größten Armutsrisiken für Frauen in unserem Land besteht darin, sich für Kinder zu entscheiden.


Gesellschaftlich verankerte männliche und weibliche Rollenmuster

Während der Erziehung von Kindern und auch im späteren Leben werden durch Eltern, Verwandte, Erzieher_innen, Lehrer_innen, Nachbar_innen, Kolleg_innen, Partner... geschlechtsspezifische Rollen zugeschrieben. Oft passiert das eher unbewusst.

Der „traditionellen“ Rollenzuschreibung wird vorgeworfen, dass sie von „natürlichen“ und strikt voneinander getrennten Geschlechtsrollen ausgeht.Im wesentlichen beinhalten diese Rollen für die Männer das Bild des Oberhauptes und des Ernähreres der Familie, der die Außenkontakte der Familie pflegt.Männer sind stark, rational, kämpferisch und sexuell aktiv.Männer sind "Jäger" und auf Frauen kaum angewiesen. Frauen hingegen sind abhängig von einem männlichen Beschützer in Form eines Vaters oder Ehemanns.Die Pflege der Innenkontakte in der Familie ist ihr Reich. Frauen sind emotional schwach, sexuell passiv. Weil sie sich um die Kinder kümmern, sind sie auf die Jäger angewiesen.


Sich hier immer klar abzugrenzen, verlangt zum einen das Bewusstsein darüber, dass diese Rollenerwartungen immer mitschwingen und auch unbewusst wirken und zum anderen natürlich Mut und Selbstbewusstsein, sich gegen die Erfüllung der Rollenerwartungen zu entscheiden und mögliche gesellschaftliche Sanktionen in Kauf zu nehmen.


Sozialisation

Unter Sozialisation wird die Anpassung an gesellschaftliche Denk- und Gefühlsmusterdurch die Übernahme von sozialen Normen verstanden.

Im Verlauf der Sozialisation werden also immer wieder weibliche Rollenmuster zugewiesen. Auf diese greifen Frauen im Lauf ihres Lebens bewusst oder unbewusst wiederholt zurück.

”Das Resultat davon ist: Weiblichkeit und Männlichkeit ist nicht Ursache, sondern Folge geschlechtsspezifischer Erziehung und Lebensbedingungen. So hat es SimoneBeauvoir (1949) es damals formuliert, so ist es leider unvermindert aktuell.”

Quelle: In Anerkennung der Differenz, Traude Ebermann, Julia Fritz, Karin Macke, Bettina Zehetner (Hg.), Psychosozial-Verlag, 2010, GießenArtike: Feminismus und Personenzentrierte Psychotherapie, Marietta Winkler


Glaubenssätze

Im Laufe der Sozialisation können bestimmte Glaubenssätze entstehen.Das sind Überzeugungen oder Meinungen, die wir zum Beispiel von anderen Menschen übernommen haben. Sind Glaubenssätze erst einmal installiert, bilden sie starke Handlungsgrundlagen und werden zudem oft nicht mehr hinterfragt.

    - Frauen sind für die Kindererziehung zuständig

    - Frauen sind technisch nicht begabt

    - Frauen können keine Führungspositionen ausfüllen


Politik und Wirtschaft

“Die gesellschaftliche Zuweisung von geschlechtersegregierten Arbeits- und Lebensbereichen in Familie (Reproduktion) und Arbeit (Produktion, Öffentlichkeit) lässt einen Arbeitsmarkt entstehen, in dem Frauen in den statusniedrigen Positionen wiederzufinden sind. Im Gegenzug erhöht das die Abhängigkeit der Frauen von der reproduktiven Sphäre (Familie). Diese Abhängigkeit wiederum bestimmtihre prestigearmen Positionen in öffentlichen Bereichen. Der Kreislauf ist geschlossen. Es folgt eine geringere Bewertung sogenannter weiblicher Tätigkeiten (>>weibliches Arbeitsvermögen

Quelle: In Anerkennung der Differenz, Traude Ebermann, Julia Fritz, Karin Macke, Bettina Zehetner (Hg.), Psychosozial-Verlag, 2010, Gießen

Artikel: ...und sie bewegt sich doch! Entwicklung und Zukunft frauenspezifischer Psychotherapie und Beratung, Sabine Scheffler


Politik und Wirtschaft sind durch Männerkulturen bestimmt. Das bedeutet, dass Männer Männer fördern. Dadurch werden männliche Machtstrukturen gefestigt. Diese wiederum dienen der Statussicherung. Frauen werden weitestgehend von männlichen Netzwerken ausgeschlossen. In Unternehmen dominiert eine männliche Rhetorik. Für Frauen in Unternehmen tut sich durch verschiedene Faktoren, wie zum Beispiel den Mangel an Teilzeitarbeitsmodellen und den Mangel an qualifizierter Kinderbetreuung eine Vereinbarkeitsproblematik von Beruf und Familie auf. Wichtige Meetings werden oft in den Abendstunden terminiert. Frauen erhalten oft bei gleicher Qualifikation und Verantwortung deutlich weniger Entgelt als ihre männlichen Kollegen.

Rollenerwartungen der Frauen an sich selbst lassen sie oftmals nicht stark genug verhandeln. Teilzeitarbeit bringt nicht nur während der Erwerbszeit weniger Einkommen, sondern benachteiligt Frauen auch in der Rentenbezugsphase, weil Kindererziehungszeiten nicht adäquat bewertet werden. Außerberufliche Qualifikationen werden unzureichend anerkannt, so wirken Teilzeitarbeit oder Kindererziehungszeiten regelmäßig als Karrierekiller. Das Übergehen bei Beförderungen bringt dauerhafte Lohneinbußen und weniger interessante Projekte.


Aber was nun?

Dazu im nächsten Artikel...